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Interview in der SZ vom 14.10.2005 mit der Virologin Ortrud Werner



"Küken sterben nach zwei Tagen"

Wie nah die Vogelgrippe an Deutschland herangerückt ist, und welche Gefahr von H5N1 ausgeht, ist auch für Experten schwierig einzuschätzen. Virologin Ortrud Werner über die Schwierigkeit, einen gefährlichen Erreger zu erkennen.
Von Tina Baier

Die Schwierigkeit liegt unter anderem an der komplizierten Laborarbeit, die notwendig ist, um das gefährliche Virus eindeutig zu identifizieren. Ortrud Werner, Leiterin des Nationalen Referenzlabors für aviäre Influenza auf der Insel Riems, über die Hintergründe der wissenschaftlichen Analyse eines tückischen Erregers.


SZ: Es hat Tage gedauert, bis die Türkei den Verdacht auf Vogelgrippe bestätigt hat. Die Situation in Rumänien ist weiter unklar. Warum dauert es so lange, bis man weiß, ob es sich tatsächlich um das gefährliche Virus aus Asien handelt?


Werner: Es ist ziemlich kompliziert, diesen Erreger eindeutig nachzuweisen. Man braucht dazu ein gut ausgerüstetes Speziallabor. Rumänien etwa hat diese Möglichkeit nicht. Deshalb sind am Anfang der Woche Spezialisten aus dem EU-Referenzlabor in Weybridge bei London mit ihrer eigenen Ausrüstung dorthin gefahren. Offensichtlich haben sie jetzt nachweisen können, dass es sich um ein Virus vom Subtyp H5 handelt. Unklar ist aber noch, ob es dasselbe Virus ist, dass derzeit in Asien grassiert. Das soll nun im Labor geprüft werden. Dass für Rumänien am Mittwoch zunächst Entwarnung gegeben wurde, könnte damit zusammenhängen, dass in den Proben nur wenige Viren enthalten waren. Das erschwert nämlich den Nachweis. Auch wenn das Virus wenig pathogen ist, fällt der Test zunächst oft negativ aus.

SZ: Wie ernst ist der Vogelgrippe-Alarm aus der Türkei zu nehmen?

Werner: Sehr ernst. Die Leiter des dortigen Referenzlabors waren im vergangenen Jahr bei uns in Deutschland, um sich über die Nachweismethodik zu informieren. Sie haben von uns die gesamte Grundausrüstung zur Diagnose des Vogelgrippevirus bekommen. Zudem hat die Türkei eine Probe an das EU-Referenzlabor geschickt, wo man den Verdacht nun bestätigt hat.

SZ: Wer kann überhaupt eindeutig feststellen, ob irgendwo Vogelgrippe ausgebrochen ist oder nicht?

Werner: Viele EU-Länder können nur eine grobe Analyse machen, die nichts darüber aussagt, ob es sich tatsächlich um das Vogelgrippevirus aus Asien handelt. Tritt ein Verdacht auf, sind diese Länder verpflichtet, eine Probe an das EU-Referenzlabor zu schicken, wo eine genaue Diagnose erfolgt. Auch wir hier im Nationalen Referenzlabor können eine solch genaue Diagnose durchführen.

SZ: Warum ist es eigentlich so schwierig, die Vogelgrippe eindeutig zu diagnostizieren?

Werner: Schon um festzustellen, ob es sich tatsächlich um ein H5N1-Virus handelt, sind viele verschiedene Tests notwendig. Zudem sind die Ergebnisse nicht immer eindeutig, so dass man die Tests manchmal wiederholen muss. Und selbst wenn man nach einer Reihe von Untersuchungen nachgewiesen hat, dass es sich um H5N1 handelt, steht immer noch nicht fest, dass es tatsächlich die gefährliche Version aus Asien ist. Es kann sich auch um eine harmlose Variante handeln. Allerdings haben alle Viren vom Subtyp H5 und vom Subtyp H7 die Fähigkeit, hochpathogen und damit zum Seuchenerreger zu werden. Die EU-Richtlinie zur Bekämpfung der aviären Influenza wird deshalb auch überarbeitet. Nach den neuen Vorschriften müssen dann alle Varianten von H5- und H7-Viren bekämpft werden, nicht nur die hochpathogenen. Auf jeden Fall dauert es seine Zeit, das alles abzuklären.

SZ: Wie lange?

Werner: Im günstigsten Fall, wenn alles glatt geht und kein Test wiederholt werden muss, braucht man fünf bis sechs Tage, bis Klarheit herrscht. Aber man darf auch nicht vergessen, dass die Menschen, die die Tests machen, unter enormem Druck stehen, so dass leicht Fehler passieren und Untersuchungen wiederholt werden müssen.

SZ: Die Ergebnisse des mutmaßlichen Vogelgrippe-Ausbruchs im Ural vor zwei Monaten liegen immer noch nicht vor.

Werner: Das stimmt. Ich weiß auch nicht, woran das liegt und ob von dort Proben an ein Speziallabor geschickt wurden.

SZ: Wie kann das H5N1-Virus nachgewiesen werden?

Werner: Es gibt Schnelltests, die auch in der Humanmedizin für den Nachweis menschlicher Grippeviren verwendet werden. Dabei wird ein Rachenabstrich mit Chemikalien gemischt. Die sind für den Nachweis bei Geflügel aber oft nicht geeignet. Wir wollen noch in diesem Monat eine Reihe dieser kommerziellen Schnelltests prüfen, um herauszufinden, ob sie sich für die Diagnose überhaupt eignen und unter welchen Bedingungen.

SZ: Heißt das, manche VogelgrippeWarnungen kommen auf Grundlage von Schnelltests zustande, die für eine solche Diagnose gar nicht geeignet sind?

Werner: Dazu möchte ich nichts sagen. Für die sichere Diagnose braucht man aber auf jeden Fall ein Speziallabor.

SZ: Was wird dort untersucht?

Werner: Schnell lässt sich herausfinden, ob es sich um ein Grippevirus handelt oder um einen anderen Erreger. Dafür wird untersucht, ob sich in der Probe genetisches Material von Grippeviren befindet. Der Test sagt aber gar nichts darüber aus, um welche Art von Grippevirus es sich handelt und ob und wie gefährlich er ist. Diese Untersuchung dauert ein bis zwei Tage. Die Subtypen des Virus zu bestimmen, also die H- und N-Proteine, ist sehr viel komplizierter.

Dabei wird besonders auf Viren vom Typ H5 und H7 geachtet, da es nur bei ihnen hochpathogene, also besonders krankmachende Varianten gibt, die potenziell auch für den Menschen gefährlich sind. Um die Subtypen bestimmen zu können, muss man das Virus in Hühnereiern heranzüchten. Auf diese Weise bekommt man eine ausreichend große Viren-Menge für die Untersuchung. Die Konzentration in den Originalproben reicht dafür in der Regel nämlich nicht aus. Handelt es sich um einen hochpathogenen Virus sind die Hühner-Embryonen nach zwei Tagen tot.

Die Eiflüssigkeit wird dann mit einem ganzen diagnostischen Besteck untersucht. Man bringt sie mit verschiedenen Flüssigkeiten in Kontakt, die Antikörper gegen die Virusproteine H1 bis H16 enthalten und bestimmt so den Subtyp. Als letztes muss dann noch die Pathogenität des Virus bestimmt werden. Denn selbst wenn in der Probe H5N1 nachgewiesen wurde, heißt das noch nicht, dass es sich um den gefährlichen Erreger aus Asien handelt. Eine Methode, die Pathogenität zu bestimmen ist der Tierversuch. Dabei werden sechs Wochen alte Hühnerküken mit den Viren geimpft. Handelt es sich um ein hochpathogenes Seuchenvirus, sind die Küken nach zwei bis drei Tagen tot.

SZ: Ist es aus wissenschaftlicher Sicht von Bedeutung, dass das Virus jetzt die Türkei erreicht hat?

Werner: Natürlich. Denn der Erreger ist uns jetzt näher. Wichtig ist es aber auch herauszufinden, auf welchem Weg er dorthin gelangt ist. Wenn man das weiß, können sich Länder, die noch nicht betroffen sind, besser schützen.

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