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Quaakpack

rent - an - ent

Eine Aktion, die ursprünglich aus Österreich kommend, seit Jahren durch alle Medien geistert.

Ich hatte eigentlich gedacht, dass das österreichische "Rent-an-Ent" nicht mehr aktiv ist, was sich leider als Irrtum herausgestellt hat. Meines Wissens gibt es in Deutschland kein vergleichbares Projekt, allerdings scheinen einzelne Züchter unter diesem Schlagwort immer wieder ihre Tiere unters Volk bringen zu wollen.

Als Laufentenhalter und Verfasser eines Buches über die Haltung dieser netten Tiere finde ich dieses Projekt gar nicht gut und absolut nicht umweltpreiswürdig, denn einen solchen hat es 1999 erhalten.

Hier die Gründe:

Niemand käme auf die abwegige Idee, seinen Hund als Miethund oder seine Katze als Mausefänger gegen ein geringes Pfand wochenweise zu verleihen. Auch Enten haben eine Psyche, ständigen Ortswechsel verkraften sie nicht besonders gut, sie sind Gewohnheitstiere.

Dass den Ausleihern ein dreiseitiges Merkblatt über die Haltung dieser Tiere in die Hand gedrückt wird, ist schon mehr als dürftig. Auf die Eigenschaften (ausser ihrem Appetit auf Schnecken) und Bedürfnisse der Watschler wird so gut wie überhaupt nicht eingegangen. Welche vielfältigen Probleme bei der Haltung entstehen können, das kann man im entsprechenden Internetforum oder auf dieser Website nachlesen.

Die Initiatoren des Projekts beteuern immer wieder, die meisten der verliehenen Enten würden ohnehin schnell von den neuen Besitzern liebgewonnen und nicht mehr hergegeben. Das mag auf einen Teil der Tiere sicher zutreffen. Ein nicht unerheblicher Teil der Tiere wird aber leiden, wenn die Motivation der Ausleiher nur darin zu suchen ist, die lästigen Gartenschnecken schnellstmöglich loszuwerden.

Enten sind nichts für den Schrebergarten, sie müssen täglich zuverlässig versorgt werden (und zwar morgens und abends), sie müssen nachts zuverlässig in einem mardersicheren Stall untergebracht werden, sie brauchen eine Schwimmgelegenheit (nicht zu klein, ein normaler Gartenteich wird in kurzer Frist zur stinkenden Brühe, ein Gartenbiotop ist innerhalb des ersten Tages ruiniert, da sind sie gnadenlos) und ein Mindestmass an Aufsicht.

Und man sollte die Abnehmer auch darauf hinweisen, dass den Enten unter Umständen der Salat ebenso gut schmeckt wie die Schnecken darauf. Und kleine Pflanzen gegen die grossen Latschen der Watschler nur geringe Chancen haben. Man kann durchaus mit den Enten Schneckenbekämpfung betreiben, aber man muss wissen, worauf man sich einlässt. Dazu gilt es vor allem, den Garten so anzulegen, dass die Enten nicht direkt an die Pflanzen kommen (z.B. Hochbeete). Wenn sich die Enten im Umfeld frei bewegen können, haben die Schnecken auf Dauer keine Chance.

Auch andere Aspekte des Gartens müssen angepasst werden, so ist z.B. eine dichte Umzäunung nötig, weniger wegen der ausbüchsenden Enten, sondern als Schutz gegen Hunde, die sich immer wieder an den Tieren vergreifen. Auch evtl. vorhandenen eigenen Hunden (und Kindern) muss der Umgang mit den Enten erst beigebracht werde.

Und es gibt noch weitere gute Gründe, die gegen einen Verleih sprechen.
Mag ja sein, dass der Garten nach vier Wochen schneckenfrei ist, aber spätestens eine Woche nach Rückgabe der Enten sind die Schleimer wieder da.
Ausserdem stören Laufis erst einmal das "Ökosystem Garten", die Enten fressen alles an Insekten und Kriechtieren, was sie vor den Schnabel bekommen, dabei machen sie keinen Unterschied zwischen Nützling und Schädling. Sind die Enten dann zurückgegeben, wird es zu einer Schädlingsexplosion kommen, da diese eine höhere und bessere Vermehrungsrate als Nützlinge haben. Also ist ein "Einsatz" von Laufenten nur über einen längeren Zeitraum von mindestens einem halben Jahr sinnvoll, damit sich das "Ökosystem Garten" mit den Enten als Bestandteil einspielen kann.

Für einen potentiellen Halter/Ausleiher ist es zudem nötig, den Garten langfristig vorzubereiten, unter anderem indem er mindestens ein halbes Jahr vorher keine Chemie, weder als Insektizid, noch Pestizid oder Dünger ausbringt (und schon gar kein Schneckenkorn!). Auch von dieser Notwendigkeit ist weder im Begleitmaterial zu den Enten noch in den Medien je etwas zu lesen.

Auch zum Futter fällt den Verleihern nur ein, dass man eine Handvoll Körner täglich zufüttern sollte. Keine Futteranpassung an Legeperiode und Mauser, keine Angaben zu ausgewogenem, ausreichendem Futter, das Laufenten mit ihrem schnellen Stoffwechsel brauchen.

Und auch die Finanzen stimmen nicht. Im jüngsten Fernsehbeitrag auf VOX wurde ein Mietpreis von 10 Euro in der Woche genannt. Für eine Saison (6 Monate) wären das dann 240 Euro. Als Hobbygärtner sollte man da vielleicht überlegen, ob das Absammeln per Hand nicht doch die preisgünstigere Alternative ist.
Dann wurde noch gesagt, dass man die Enten nach 4 Wochen behalten dürfte, da die Mietsumme dann dem Kaufpreis entspricht. Wer wird dann noch bereit sein, die Enten für längere Zeit zu mieten? Und welcher Anteil der "Monatskäufer" wird auf die nicht allzu ferne liegende Idee kommen, die Enten nach der Gartensaison am nächsten Gewässer in die "Freiheit" zu entlassen?

Also: Laufenten sind putzmuntere, liebenswerte Kerlchen. Wenn man sich auf sie einlassen möchte, dann halten sie den Garten zuverlässig frei von Schleimern, liefern gleichzeitig hochwertigen Dünger frei Haus.
Eine Arbeitsersparnis (gegenüber dem Absammeln der Schnecken) ergibt sich sicher nicht, nur die Sorge für die Watschler macht sehr viel mehr Freude als die Sorge über die Schnecken.

Ein Haustier (und das sind die Quaaker) wird niemand verleihen oder nach der Gartensaison wieder abgeben. Eine Möglichkeit für harte Realisten wäre da schon eher der Kauf im Frühjahr und ein Braten zum Herbst. Ist aber nicht viel dran an so einer Ente.

Ich hoffe, dass diese Infos dazu beitragen, dass in den Medien nicht mehr so gedankenlos und unkritisch über dieses unsägliche Entenverleihprojekt berichtet wird.

  admin: b1 at clauss.name