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Quaakpack - Fettich

Fettich


 
Sehr verehrte Leser,
 
ich muss sagen, ich bin ganz gerührt, dass es wirklich jemanden interessiert, was eine kleine alte Ente wie ich zu sagen hat.
Meistens ist es ja so, dass uns die Menschen nicht verstehen, selbst wenn wir ihnen noch so laut verschnattern, was wir von ihnen wollen.
 
Weils grad so entensteissmässig kalt ist, erzähl ich Euch heut mal eine Wintergeschichte, die sich in Gonzos Jugend zugetragen hat, und wo ein Mensch ausnahmsweise mal verstanden hat, was seine Enten von ihm wollten.

 
Draussen lag Schnee, die Wiese war gefroren und so hart, dass man nicht drin bohren konnte, ohne sich den Schnabel zu verrenken.
Deshalb war die ganze Bande (Gonzo, seine Geschwister und die Alten) gleich vom Stall aus in den Bach gerannt (naja, eigentlich waren sie schon halb geflogen, so schnell mit den Flügeln geflattert, dass sie gerade nicht abgehoben sind. Das gilt nämlich, wie einige von Euch ja schon wissen, unter anständigen Laufenten als unfein).
Im Bach konnte man’s aushalten, nur das Ufer war vereist, aber nach der langen Nacht im Stall waren alle froh, dass sie sich mal so richtig austoben konnten.
Ich selbst geh ja auch morgens gerne mal eine Stunde ins Wasser, aber mit den Jährchen, die ich inzwischen auf dem Buckel habe, da lass ich es dann lieber ruhig angehen.
Ich setz mich dann lieber auf ein trockenes Plätzchen, in Sichtweite der Futterschüssel wenn möglich, und behalte alles im Auge. Das ist sehr sehr wichtig, Ihr könnt mir glauben, sonst wär ich nie so alt geworden. Die anderen denken dann immer, ich würd pennen, nur weil ich die Nase in den Federn hab.
Manchmal wollen die jungen Lümmels es wissen, und sie schleichen sich leise an mich ran um mich dann mit dem Schnabel zu stumpen. Aber ein Auge hab ich immer offen, und mir entgeht nichts, schon gar nicht so ein frecher Entenlackel!
Dann spring ich auf wie ein Junger (zugegeben, es fällt mir immer schwerer, aber ich lass mir nichts anmerken) und schimpf los wie ein Rohrspatz. Insgeheim hab ich aber einen Riesenspass, wenn ich so einem jungen Lümmel mal wieder gezeigt hab, dass ich noch keine Schnarchente bin.
Aber wir kommen vom Thema ab - also alle waren im Bach, spritzten Wasser mit den Flügeln in alle Richtungen (die Erpel natürlich in Richtung der Mädels, ganz unabsichtlich, was mit begeistertem Geschnatter quittiert wurde).
Die Alten haben sich gewaschen, gesittet natürlich, naja, also sagen wir meistens gesittet, es war halt ein sehr schöner Entenmorgen, die Jungen haben gespritzt, sind hin- und hergeflippt und haben Steine am Bachgrund umgedreht.
Das ging so eine ganze Zeit, bis es Fettich, einem Bruder von Gonzo, im Wasser zu langweilig wurde. Er beschloss, mal nach der Futterschüssel am Ufer zu sehen. Malonda, die schon seit längerem ein Auge auf ihn geworfen hatte, fand das auch nicht schlecht, ausserdem hielt sie es für eine gute Idee, Fettich nicht zu lange aus den Augen zu lassen, schliesslich waren da ja noch andere Mädels.
Fettich hatte seinen Namen bekommen, weil er ein etwas übergewichtiger Erpel war. Noch dazu übertrieb er es schon öfter mal bei der Gefiederpflege. Was er nur aus dem Bürzel rausbekommen konnte, das verteilte und verschmierte er auf seinen Federn, so dass er oft aussah wie ein Automechaniker nach einer Getriebereparatur.
Er nahm sich also den Futternapf vor, und statt anschliessend ein Verdauungsnickerchen zu halten, suchte er ein wenig hier, ein wenig da, was er unter dem Schnee auf der Wiese wohl finden würde.
Da war aber nichts, wenigstens nichts Interessantes. Zumindest solange, bis er zu einer grossen Pfütze kam, die entenbeinhart zugefroren war.
Zuerst versuchte er, sein Spiegelbild im Eis anzuknabbern, was ziemlich schwierig war. Dabei rutschte er ein paarmal aus, was ihm zusehends besser gefiel, er rutschte hin- und her, fiel ein paarmal auf seinen Entenhintern (was einer Ente aber wegen der hervorragenden Dämpfung am Hinterteil gar nichts ausmacht), und blieb dann grübelnd am Rand der Pfütze liegen, klappte seine Latschen ins Gefieder (waren doch kalt geworden inzwischen) und überlegte, was er wohl noch so alles anstellen konnte.
Mittlerweile hatten sich die anderen auch an der Futterschüssel mit einer Brotzeit versorgt, und lagen in der Nähe der Pfütze herum, einige hatten schon die Nase in den Federn und poften. Nach einer Weile stand Fettich wieder auf, um die Pfütze doch noch mal aus der Nähe zu begutachten. Als er jetzt aufs Eis ging, merkte er, dass seine Latschen leicht festklebten.
 
Hätte er mich gefragt, ich hätt ihm leicht erklären können warum.
Das ist nämlich so: Enten haben im Winter immer kalte Füsse. Das macht aber garnix, ja es ist sogar Absicht, weil wenn es kalt ist kaum Blut durch die Latschen fliesst, und wo nichts durchfliesst, kann auch nichts kalt werden, mit anderen Worten: die Füsse sind zwar kalt, aber der Rest Ente ist dafür umso kuschelig wärmer.
Und wenn man mit kalten Füssen übers kalte Eis geht, dann macht das garnix. Aber versucht es mal mit warmen Füssen! Dann schmilzt nämlich im ersten Moment das Eis unter den Sohlen zu Wasser, aber weil die Sohlen dann immer kälter werden gefriert es irgendwann wieder, und man klebt fest.
Und festgeklebt ist der Fettich, zuerst nur leicht, und der fand das toll. Er hat nämlich gemerkt, dass er dann nicht mehr umfallen kann, und hat angefangen vor- und zurückzuwippen und hin- und herzuschaukeln, und dabei hat er vor Freude gequaakt und gequietscht.
Die anderen haben zugesehen, die Alten haben gesagt er solle den Unfug doch lassen, aber den Jungen hat es gefallen, sie haben begeistert geschnattert und ihn angefeuert. Das hat sich Fettich nicht zweimal sagen lassen, und er ist immer wilder hin- und hergeschwankt.
Bis ihm auf einmal der Gedanke kam, sich zum hinteren Teil seines Publikums umzudrehen. Ging aber nicht. Zuerst zog er an einer Latsche, dann an der anderen, und langsam hat ihm gedämmert, dass er wohl ein Problem hatte.
Das war ihm nun ziemlich peinlich, erst tat er noch so als ob nix wäre, alles nur Faxen, aber dann zerrte und zog er immer mehr und kam ins Schnaufen, und nach und nach merkten auch die anderen was los war.
Die Alten haben natürlich losgeschimpft, sie hätten es ihm ja gleich gesagt, aber so ein Entenlümmel wollte ja nicht hören. Und die Jungen haben sich bald den Schnabel verbogen vor Lachen. Fettich fand das jetzt gar nicht mehr lustig, er krakeelte los, wovon das Eis aber logischerweise ganz unbeeindruckt blieb. Ein paar versuchten ihm zu helfen, stumpten ihn von vorne und von hinten an oder schlugen ihm vor, doch mal anständig mit den Flügeln zu flattern. Was natürlich auch nichts half. Jetzt krähte und quaakte die ganze Bande aus vollen Hals, es war ein Mordsradau, Fettich flatterte wie ein Ventilator, und es ging eine Zeit lang ziemlich rund.
Gonzo, den das Ganze anfangs auch sehr amüsiert hatte, stand ein wenig abseits und überlegte, wie er Fettich denn wohl helfen könnte.
Bei einer Ente ist es nicht nur wichtig, dass sie mutig ist. Viele Erpel (und auch Enten, Verzeihung meine Damen) haben ein grosses Herz, obwohl sie eigentlich ziemlich wehrlos sind. Aber oft leben grade die Mutigsten nicht lang, denn es ist sehr wichtig, dass zum Mut auch immer ein wenig Grips dazukommt.
Sehr wichtig, wie sonst hätt ich so alt werden können?
 
Und Gonzo hatte Grips, jedenfalls mehr als die anderen. Während die nämlich um Fettich herumstanden und lamentierten, latschte er zum Menschenhaus hinüber und fing dort an zu Quaaken, aus Leibeskräften, als ob man ihm ans Leder wollte.
Und richtig, es dauerte nicht lang, da ging am Haus, wo die Menschen im Winter immer drinsassen und sich meistens nur morgens und abends mal blicken liessen, die Tür auf und ein Kopf streckte sich ins Freie, dann kamen ein Paar Stiefel zum Vorschein, dann der Rest Mensch hinterher.
Als er herankam, machte die ganze Bande Platz, dass er sich die Bescherung betrachten konnte, und stellte sich im weiten Halbkreis auf. Es wurde spannend. Fettich war auch ganz still geworden, machte nur noch ein paar halbherzige Flatterversuche.
Als der Mensch aber immer näher kam, Fettich nicht weg konnte und der Mensch ihn schliesslich packte und an ihm zog, so dass Fettich auch für eine Laufente ziemlich lang wurde, da krakeelte er noch lauter als vorher und jammerte kläglich vor sich hin.
Aber er hing fest und ging nicht ab. Das sah endlich auch der Mensch ein, und er drehte um und ging wieder ins Haus.
Die anderen kamen jetzt wieder näher, und berieten leise, was man noch unternehmen könnte, da ging die Haustür wieder auf, und der Mensch erschien wieder, einen grossen, dampfenden Topf in den Händen.
Fettich war sich sicher, sein letztes Stündlein hätte geschlagen. Er quaakte jetzt auch nicht mehr, zog nur noch ab und zu mutlos an seinen festgefrorenen Tretern.
Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, war die folgende Prozedur völlig in Ordnung; ich hab zwar versucht es Fettich zu erklären, aber der hing nur noch ziemlich teilnamslos in den Seilen und haderte mit seinem Schicksal.
Nach geschlagenen 10 Minuten war er dann endlich losgeeist, der Mensch hat ihn gegriffen und in den Stall gesetzt, wo er den Rest des Tages kleinlaut in einer Ecke zugebracht hat, nur Malonda kam ab und zu, um ihn ein wenig aufmunternd mit dem Schnabel zu stumpen.
Wenn Ihr im Winter also mal einen etwas dicklichen Erpel mit ein wenig strubbeligen, fetten Federn seht, der um jede gefrorene Pfütze einen Riesenbogen macht, dann stehen die Chancen gut, dass es sich dabei um Fettich handelt.
Er ist mit Malonda, die jetzt seine Frau ist, umgezogen und nicht mehr bei unserer Gruppe, also sagt ihm einen netten Gruss von mir. Aber erinnert ihn bitte nicht an die Geschichte, die ich Euch grade erzählt habe, denn das ist ihm entsetzlich peinlich.
 
Bis bald
 
Euer
Professor Samo
 

Story: Bjoern Clauss   -   Illustration: Helene Towers
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