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Quaakpack - Die rote Gwen

Die rote Gwen

von Professor Dr. Dr. Erasmus von Quakenstein alias Lexx
 
Du bist mein Lieb,
wirst immer es sein.
In meinem Herzen,
hab ich nur Dein Bild allein.
 
Nur Deins, allein, für immer...

 
Liebe Freunde, heute möchte ich Euch eine neue Geschichte erzählen. Sicherlich wisst Ihr, dass die erste Liebe etwas ganz besonderes ist. Man vergisst sie nie, man wird sich immer daran erinnern. Selbst in einem gesetzteren Alter, wie dem meinem.
 
Meine erste Liebe hieß Gwen, Gwen van de Waterplas. Aber lasst mich von Anfang an berichten:
 
Es war mein erstes Semester in Quackenbrück. Quackenbrück liegt versteckt in einem Wald in Süddeutschland. Es verbirgt sich in einem dichten Schilfgürtel, an einem ehemaligen Klosterfischweiher. Heute verirren sich kaum Menschen dorthin, da diese lauffaulen Wesen nicht mit ihren Autos hinfahren dürfen. Ab und zu trifft man Angler an, Waldarbeiter oder den Förster, wenn er nach dem Rechten sieht. Alle paar Jahre wird der Weiher abgefischt, abgelassen und etwas ausgebaggert, damit er nicht zuwächst, aber da ist in Quackenbrück niemand, denn es sind Semesterferien. Der Weiher ist an seiner tiefsten Stelle gerade einen Meter tief, hat aber einige hundert Quadratmeter Oberfläche. Ein Entenparadies, man kann überall gründeln und trotzdem mal untertauchen. An drei Seiten ist er von einem breiten Schilfgürtel umgeben, welcher nie ganz austrocknet, auch ein Grund, weswegen Menschen sich dort nicht hin verirren. An zwei Stellen ragen kleine Halbinseln weit auf den Weiher hinaus, auf einer liegt das Lazarett, auf der anderen reihen sich die Studentenkneipen und -lokale aneinander. Fast mittig im Weiher liegen drei Inseln, auf der größten sind die Studentenschlafplätze, die beiden kleineren teilen sich die Lehrkräfte und Doktoranden. Ich darf mit Stolz behaupten, schon auf allen dreien genächtigt zu haben, das schafft nicht jeder Erpel. Tagsüber herrscht ein reger Schwimm- und Flugverkehr zwischen den Inseln und dem Schilfgürtel, wo sich die Vorlesungsplätze befinden. Und man sieht dort nicht nur Laufentenerpel, nein, nahezu alle Entenrassen sind vertreten. Man trifft auf gemütliche Landerpel, die ständig quatschenden Zwergerpel, eitle Cayugas, sehr behäbige Rouen-Erpel, die hochnäsigen Pekingerpel (nur weil ein chinesisches Gericht nach ihnen benannt ist, tetete), die immer braven und lernenden Pommernerpel, mit ihren weißen Kragen, uns Laufentenerpel, die intellektuellen Draufgänger und auch den ein oder anderen Austauschstudenten. Ich habe ein Semester lang neben einem Mandarinerpel aus Japan genächtigt. Den Jungen hab ich bis zum Schluss nicht verstanden, aber den konnte man richtig doll unter den Tisch saufen. Er hat auch ständig gelächelt. Ein sehr netter, hübscher, kleiner Kerl war das.
 
Ich betone Erpel, da weibliche Studenten extrem selten sind. Die gab und gibt es faktisch eigentlich nicht in Quackenbrück. Das liegt an unserer Art. Weibliche Enten sind nun mal einfach... ja, häuslich. Sie interessiert nicht viel, außer Eiablage, Brut und Kükenaufzucht. Zudem geht ihnen nichts über ein festes Zuhause. Uns Erpel dagegen interessiert so ziemlich alles... nur DAS nicht. Wir wollen was erleben und müssen einfach mal raus. Dementsprechend ist das Studentenleben innerhalb der Hörsäle rein männlich, dennoch kann man auch in Quackenbrück auf Enten treffen. So arbeiten in den Kneipen und Lokalen vorwiegend kleine, zierliche Smaragdenten, manchmal auch rassige schwarze Laufenten als Kellnerinnen. In manchen auch derbe Warzenenten, aber das sind dann Lokale, wo der Alkohol gut genug ist, um sie sich schönzusaufen.
 
Im Lazarett trifft man auf vollbrüstige, deutsche Pekingenten, die kranke Studenten liebevoll gesund pflegen und Auas wegschnäbeln.
 
Den Mist der Studenten räumen die weihersansässigen Stockenten weg, da zum Semester grade keine Nachwuchssaison ist und sie Zeit haben. Das ist auch ein Grund, warum kaum weibliche Studenten anzutreffen sind. Das Semester dauert von circa Mitte August (wenn die ersten Zugvögel sich zu sammeln beginnen) bis etwa Mitte April. Also der Zeitraum, in dem wir Erpel nicht, oder so gut wie nicht, liebesbedürftig sind. Klar können wir trotzdem so gut wie keiner Ente widerstehen, aber wir schaffen es, uns auf die Vorlesungen zu konzentrieren. Solange eben kein Weibsvolk anwesend ist. Wenn dann gegen Aprilmitte die Studenten nur noch in den Kneipen sitzen und die Kellnerinnen annicken, oder sich morgens zu einer Massenkeilerei vor dem Lazarett verabreden, um dann gesund gepflegt zu werden, dann ist Ferienbeginn.
 
Ach ja, die Pekingenten, da war ich gerne krank. Und die Kneipen, ja, da war ich gerne durstig. Vom "Tümpi" mit seinem hervorragenden Schneckenschlecker, hab ich bereits berichtet, aber, ach, es gibt so viele. Da ist das "Binsenbuschel", geführt von einem uralten Stockentenerpel. Dort gibt es falschen Schneckenschlecker. Ein Aufgesetzer aus Waldschnecken und Eichelbrand. Oder Sanddornlikör, den gab es im "Weidenstumpf", dem einzigen Etablissement, in dem nur Enten arbeiten. Zu meiner Erstsemesterzeit war meine Stammkneipe das "Schmadder". Dort gab es höchstprozentigen, selbst gebrannten Schilfrohrschnaps, und wenn man etwas Trinkgeld drauflegte, dann machte einem der Warzenerpelwirt noch seinen Salat des Hauses. Brunnenkresse mit in Bucheckernbutter gerösteten Teichmuscheln. Da das "Schmadder" am äußersten Rand der Halbinsel liegt, macht es seinem Namen alle Ehre. Kommt man morgens nicht zeitig genug auf den Weg zum Vorlesungsplatz und kann sich nicht ordentlich putzen, dann sieht jeder wo man versumpft ist. Zu meiner Schande muss ich gestehen, diese Erfahrung öfters gemacht zu haben. Und an einem eben solchen Morgen traf ich SIE. Ich hetzte durch das Schilf, zu meiner Vorlesung (die schon angefangen haben musste) und lief ihr genau in die Flügel.
 
Es war Anfang Oktober, so einer der Tage mit leuchtend buntem Laub, dunkelblauem Himmel und einem der letzten warm leuchtenden Sonnenaufgänge. Und da stand sie, eine braune Laufente. Perfekt schokoladenfarben, die dunkelsten Augen, in die ich je geblickt hatte und mit feurig roten Kupferreflexen auf ihrem Gefieder, hervor gezaubert von den ersten Sonnenstrahlen. Später erfuhr ich das sie Gwen van de Waterplas hieß, aber für mich war sie seit diesem Moment nur die "Rote"... meine "rote Gwen".
 
Sofort begann ich sie anzunicken. Ich musste einfach, damals hielt ich sie noch für eine "einfache" Ente, leicht zu erobern von einem klugen Studenten... auch wenn er schlammüberkrustet war und nach Schilfrohrschnaps stank. Doch sie blieb reserviert und wandte sich sogar ab. Da fiel mir ein, was mein weiser Papa mir immer gesagt hatte:
 
"Drann, drauf, drövver, dess hädd der Obba schon so gemächt!".
 
Ein böser Fehler, wohl der dümmste meines Lebens. Ich musste mich dank ihrer Reaktion drei Tage im Lazarett gesund pflegen lassen! Aber nie werde ich vergessen wie sie danach vor mir stand, wütend mit ihren caramelfarbenen, langen Beinen trippelnd, den nur einen Tick dunkler gefärbten Schnabel aufreissend und mich schrill anquackend:
 
"ICH bin eine ehrbare, selbst bestimmte und kluge Ente!!! ICH wähle meinen Partner!!! ICH werde nicht getreten, ohne das ICH es will!!!!!"
 
Was für eine Laufente. Majestätisch in ihrer Haltung, ihren Ring (der mir sagte, das sie aus einem guten Stall stammen musste und ein Jahr jünger war als ich) lässig tragend, die Augen lebhaft funkelnd... sie war perfekt. Perfekt für mich!
 
Die nächsten Tage verbrachte ich damit, herauszufinden wer sie war und was sie in Quackenbrück tat. Ich erfuhr ihren Namen, dass sie aus Norddeutschland, nahe der holländischen Grenze, aus einer sehr guten Rassezucht stammte und dass sie studierte. Sie war eine Studentin. Eine Studentin! Sie hatte Vorlesungen in Kräuterkunde und Entologie belegt und wollte später als Heilerin arbeiten. Ich muss gestehen, ich war erst total platt und vor den Schnabel geschlagen. Ich Idiot, wie hatte ich eine solche Ente so plump anmachen können?
 
Und sie war ehrbar! Sie schlief nicht auf den Inseln, sondern wohnte zur Untermiete bei einer Biberfamilie, auf deren Damm. Die Miete bezahlte sie mit dem Ei, das sie jeden Tag legte. Die Biber wiederum bezahlten damit eine Rattenkolonie, damit diese NICHT im Biberdamm einzog.
 
Und sie war selbst bestimmt! Wehe dem Studenten, der ihr galant helfen wollte. Zu Gwens Zeit hatte das Lazarett Hochkonjunktur. Lauter trost- und liebesbedürftige, körperlich und im Ego angeschlagene Erpel.
 
Und sie war klug. Sie beschämte reihenweise Kommilitonen und sogar einen ihrer Professoren. Helgo vom Burggraben wurde von ihr auf einen Fehler in seinem Hauptwerk "Gift- und Heilkräuter der Entenwelt" hingewiesen. Sie klatschte ihm vor die Platschen, das er im Kapitel "Giftpilze; Pro und Contra" statt "Muscarin" "Muskat" geschrieben hatte. Er war mehr als brüskiert. Seine Versuche, sie aus seinen Vorlesungen zu verbannen, bzw. ihre totale Exmatrikulation, blieben übrigens vergeblich.
 
Was für eine Ente. Ich musste sie erobern, sie war meine Partnerin fürs Entenleben. Ihr wollte ich ein Nest bauen, für sie hätte ich sofort Quackenbrück den Bürzel gekehrt. Nur... wie sollte ich sie erobern? Unser Kennenlernen war mehr als zu meinen Ungunsten ausgegangen.
Anzutreffen war sie nur im Schilfgürtel. Weder besuchte sie Kommilitonen auf der Insel, um gemeinsam zu lernen, noch besuchte sie die Kneipen um zu feiern. Sie blieb für sich, badete und gründelte nur in einsamen Ecken des Weihers oder beim Biberdamm und vermied auch Gequake außerhalb der Vorlesungsplätze. Ich musste sie also abpassen.
 
Es war schon Anfang Dezember, als es mir gelang. Nervös räbbte ich los, wie mein Name wäre, was ich studierte, fast meine gesamte Ahnengalerie und ob sie nicht Lust hätte mich zu treffen... ?
"Ganz unverfänglich... nur zum Quaken!"; ratterte ich noch heraus, bevor ich ihrem festen Blick nicht mehr standhalten konnte, und schnell den Kopf senkte.
"Nur zum Quaken? Über was denn?"
Oh, da hatte sie mich erwischt. Ja, über was denn bloß??? Meine Fachgebiete waren nicht ihre Fachgebiete, also über was denn bloß?!?!
"Üüüübeeeeer... ähäm... Giftpilze?"
"Nein, Danke!!!"
Und weg war sie (aber immerhin ohne mich dieses Mal zu verhauen). Bis ich sie wieder alleine antraf, war es fast Frühling. Obwohl, "alleine" war relativ. Sie war in Begleitung... erpeliche Begleitung. Es war ein fetter, ungepflegter Landerpel... mit Haube. Ich meine, liebe Freunde, unter uns... Haubenträger... Ihr versteht... man sagt denen ja nicht ohne Grund nach, dezent doof zu sein. Da schwamm sie also auf dem Weiher, mit Guido, dem Pfarrhauserpel. Er lebte nämlich nicht einmal in Quackenbrück, ich bezweifle, dass er jemals die Aufnahmeprüfung bestanden hätte, sondern im nahe gelegenen Dorf, eben im Pfarrhausgarten. Er sah skurril aus, eine Farbe konnte man ihm nicht zuordnen, in seiner Ahnenreihe schien jeder mögliche Farbschlag mindestens einmal vorgekommen zu sein. Seine Haube war zerzaust (ich vermute absichtlich) und sein Schnabel wirkte schrundig und war wild gefleckt. Und er tat das, was er am Besten und als einziges konnte... hohle Phrasen räbsen, den Entenversteher mimen (er war nicht ohne Grund in Quackenbrück einschlägig bekannt) und vom Leben nach dem Bräter zu schwärmen. Er war besessen davon, er wusste alles darüber, hatte die besten Tips auf Lager, wie man ein Leben nach dem Bräter erlangen konnte und die Enten lagen ihm zu Füßen. Die Kellnerinnen, die Pflegeenten, die Stockenten und nun auch Gwen! Oh, wie ich zitterte vor Wut, ich hätte diesen Guido sofort ersäufen können, wenn er mir an Körperkraft nicht überlegen gewesen wäre. Was machte er da, bei meiner roten Gwen? Vorsichtig pirschte ich mich an, mich so flach wie möglich machend. Ich musste einfach wissen, was die Beiden da quakten. Und tatsächlich, es war Guidos Lieblingsthema, das Leben nach dem Bräter. Faszinierend war das ja schon, was er da berichtete. Es ist immer Sommer, es gibt immer frisches Wasser, die besten Entenleckereien, keine Menschen, keine Feinde, keine stressige Kükenaufzucht, keine Mauser, einfach Entenwonne pur. Die Schnecken kriechen einem von selber in den Mund, statt Gras wächst überall Salat, und in jeder noch so kleinen Pfütze tummeln sich Bachflohkrebse unter Entenflott. Es gibt lauschige Wildfruchthecken und überall sind kuschelige, immer trockene Strohhaufen. Ein Paradies, das man ganz einfach erreichen kann, man muss nur durch den Bräter gehen. Gwen hing an seinem Schnabel, ihre Augen leuchteten hell und neugierig und auch ich wurde in Guidos Bann gezogen. Ich wollte sofort in das Entenparadies, sofort. "Ein Königreich für einen Bräter!"; dachte ich mir. Und fast zeitgleich dämmerte mir der Fehler an der Sache, WOHER wusste Guido das denn? Woher? Das musste ich sofort herausfinden und flatternd stob ich hinaus auf den Weiher zu den Beiden anderen, mitten hinein.
"Guido!!!!"; räbte ich atemlos heraus, "Guido... woher... weißt... du... das... bitte... alles?"
 
Gwen und der Pfarrhauserpel sahen mich an, als wäre ich ein weißer Hecht, der versucht hatte sie zu fressen. Aber während Guido sich dezent ängstlich nach einer Fluchtmöglichkeit umsah, funkelte meine rote Gwen mich wütend an. Allerdings war mir das in diesem Moment so ziemlich am alleregalsten auf der Welt, ich musste wissen, woher Guido das Entenparadies kannte. "Guido, bitte, woher weißt du das alles, das alles über das Leben nach dem Bräter?"
"Von meinem Menschen natürlich." antwortete er recht arrogant. Mir klappte erstmal der Schnabel herunter, das war doch nicht sein Ernst, oder?
"Wie bitte? Von deinem..."
"Ja von meinem Menschen.", unterbrach er mich recht unwirsch.
"Von wem denn sonst? Jeden Tag wenn er mir und meiner Familie das Fressen bringt, erzählt er uns vom Leben nach dem Bräter, so das wir auch fein auffressen, damit wir im Herbst durch den Bräter gehen dürfen."
 
Ich konnte es nicht fassen, diese ganze wundervolle Welt, die Guido da beschrieben hatte, war eine Menschenfantasie, um Enten zu mästen! Bevor ich ihm entgegen schleudern konnte, dass er wirklich nur Luft unter der Haube hat, wenn er einem Menschen das glauben kann, fiel mir auf, dass Gwen davon schwamm. Ich sah Guido nur nochmal kopfschüttelnd an, tauchte kurz unter um das eben Gehörte abzuwaschen und schwamm ihr schnell hinterher.
 
Kurz vorm Ufer holte ich sie ein. Sie wirkte nicht mehr wütend, sondern enttäuscht, ob von Guidos Dummheit, meiner Dreistigkeit das Gespräch zu stören, oder von sich selbst, weil sie an das Leben nach dem Bräter geglaubt hatte, habe ich nie herausgefunden. Ich wollte das auch nie erfahren und in diesem Moment wollte ich ihr nur tröstend am Nacken knabbern. Aber das traute ich mich nicht, stattdessen schwamm ich neben sie, stupste sie vorsichtig an und räbte:
"Es tut mir wirklich leid. Möchtest du quaken?"
"Quaken? Über was denn?"
"Öhm... über das Leben vor dem Bräter?"
Erst sah sie mich dezent sauer an und dann... brach sie in schallendes Gelächter aus! Sie lachte, lachte, lachte, als wollte sie nie wieder aufhören. Und als sie dann doch wieder aufhörte, funkelte sie mich mit ihren wunderschönen brauen Augen amüsiert an und antwortete: "Okay, lass uns über das Leben vor dem Bräter quaken."
Und wir quakten den ganzen restlichen Tag und die ganze Nacht. Und als der Sonnenaufgang ihr Gefieder wieder in Kupferflammen verwandelte, da erwählte sie mich zu ihrem Partner.
 
Wir verlebten einen wundervollen Vorfrühling in Quackenbrück. Ich zog von der Studenteninsel zu ihr auf den Biberdamm und verbrachte dort die Nächte mit ihr, ohne den Kneipen auch nur eine Millisekunde lang nachzutrauern. Wir waren jede vorlesungsfreie Minute zusammen, diskutierten, hörten uns gegenseitig ab und kuschelten wann immer uns danach war. Es war die schönste Zeit meines Studentenlebens. Meine rote Gwen war so wundervoll und als die Tage länger wurden, die Vorlesungsplätze leerer, die Kneipen voller und das Lazarett überfüllt, da fasste ich mir ein Herz.
"Gwen mein Herz, jetzt sind ja bald Ferien und ich dachte mir... also wenn du möchtest, dann... meine Familie würde sich sicherlich freuen dich... und wenn nicht, dann geh ich eben mit dir... zu deiner... "; oh mein Gott, was stammelte ich da zusammen?! Schnell holte ich tief Luft und es platzte aus mir heraus: "Rote Gwen van de Waterplas, willst du meine Gefährtin werden?"
"Erasmus, Liebster..."; zum ersten Mal sah ich ihre Augen vor Trauer glänzen, "Erasmus, es tut mir so leid, aber ich kann nicht deine Gefährtin werden. Ich bleibe nicht in Quackenbrück und ich gehe auch nicht wieder zu meiner Familie. Ich... in drei Tagen reise ich ab nach Asien, nach Thailand. Ich werde dort die Heilkunst asiatischer Hausenten erforschen. Du wusstest doch, das ich keine Ente für ein festes Nest bin. Mein Herz, ich kann nicht bleiben, ich muss die Welt bereisen."
Mein weißer Kragen, auf den ich sonst so stolz war, schien mir die Luft abzuschnüren. Ja ich hatte es gewusst, irgendwie schon immer, das Gwen nie ganz die meine sein würde, aber ich hatte es nicht wahrhaben wollen.
 
Wir verabschiedeten uns an Ort und Stelle voneinander, wir wussten das es der beste Zeitpunkt dafür war. Lange sah ich ihr nach, als sie dann in Richtung Biberdamm lief, während der Sonnenuntergang, wie mir zum Hohn, noch einmal feuerrotes Kupfer auf ihr Gefieder malte.
 
Lange, lange, lange habe ich der roten Gwen hinterher getrauert. Keine Ente hat jemals mehr mein Herz so entflammt wie sie. Zwar erwählte ich oft noch Enten zu meiner Partnerin, wurde erwählt, verliebte mich und wurde geliebt, verließ und wurde verlassen. Aber nie mehr habe ich eine Ente gebeten meine Gefährtin zu werden.
 
Gwens Spur fand ich in Thailand, bei einer Studienreise Jahre später, wieder und verlor sie auch dort. Man erinnerte sich lebhaft an sie und auch daran, das sie ostwärts weiter gezogen war, aber wohin genau, konnte mir niemand sagen.
 
Du bist mein Lieb,
wirst immer es sein. In meinem Herzen,
hab ich nur Dein Bild allein.
 
Nur Deins, allein, für immer...
Mit allerquakigsten Grüßen,
 
Erasmus von Quakenstein
 

Story & Fotos: Alexandra Vogel-Reich   -   Illustration: Helene Towers
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